EDELMETALLE ERKENNEN
Ist Ihr Stück wertvoller als gedacht? So erkennen Sie Gold und Silber
Für den Wert eines Schmuckstücks, Bestecks oder Kunstgegenstands kann es einen erheblichen Unterschied machen, ob es sich um Gold oder Silber oder lediglich um ein unedles Metall handelt. Vor einem Verkauf ist es deshalb wichtig, zunächst herauszufinden, aus welchem Material ein Objekt besteht. Eine fachkundige Prüfung bietet hierbei die größte Sicherheit. Bei vielen Gegenständen lässt sich das Material aber auch selbst erkennen oder zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmen. Wichtige Hinweise liefern kleine Zeichen und Stempel auf dem Objekt, die sogenannten Punzen. Dabei handelt es sich meist um wenige Millimeter große Zahlen, Buchstaben oder Motive, die an einer häufig unauffälligen Stelle in das Metall gestempelt wurden.
Wo findet man Punzen?
Bei Ringen befinden sich Punzen meist auf der Innenseite der Ringschiene, bei Ketten und Armbändern häufig am Verschluss. Auf Bestecken, Schalen, Leuchtern oder anderen Gegenständen sind sie oftmals auf der Unterseite, am Rand oder an einem Griff zu finden.
Da die Zeichen sehr klein sein können, hilft bei der Suche eine Lupe oder die Vergrößerungsfunktion der Handykamera.
Was bedeuten die Zahlen?
Gold und Silber werden für die Verarbeitung meist mit anderen Metallen vermischt. Die eingeprägte Zahl zeigt, wie hoch der tatsächliche Anteil des Edelmetalls ist. Sie wird in
Tausendteilen angegeben.
Typische Goldpunzen sind:
• 333 - 33,3 Prozent Gold
• 375 - 37,5 Prozent Gold
• 585 - 58,5 Prozent Gold
• 750 - 75 Prozent Gold
• 900, 916 oder 999 - besonders hohe Goldanteile
Auch die Angabe in Karat ist bei Gold verbreitet: 333er Gold entspricht ungefähr 8 Karat, 585er Gold 14 Karat und 750er Gold 18 Karat.
Bei Silber finden sich häufig folgende Zahlen:
• 800 - 80 Prozent Silber
• 835 - 83,5 Prozent Silber
• 900 - 90 Prozent Silber
• 925 - 92,5 Prozent Silber, auch Sterlingsilber genannt
• 999 - nahezu reines Silber


Halbmond und Krone auf deutschen Silberwaren
Auf vielen deutschen Silbergegenständen findet sich neben der Feingehaltszahl ein kleiner Halbmond zusammen mit einer Krone. Beide Motive sind meist nur wenige Millimeter groß und direkt nebeneinander eingeschlagen. Dieses Zeichen wurde 1888 als einheitliche Kennzeichnung für deutsche Silberwaren eingeführt. Es zeigt an, dass der Gegenstand als Silberware gekennzeichnet wurde. Die danebenstehende Zahl - beispielsweise 800 oder 925 - gibt den tatsächlichen
Silberanteil an. Häufig kommt noch ein weiteres Zeichen für den Hersteller oder die Werkstatt hinzu.
Vorsicht bei versilberten und vergoldeten Gegenständen
Nicht jede eingeprägte Zahl bezeichnet den Feingehalt eines Edelmetalls. Die auf Bestecken häufig vorkommenden Zahlen 90, 100 oder 120 weisen in der Regel auf eine Versilberung hin. Der Gegenstand besteht dann überwiegend aus einem anderen Metall und wurde lediglich mit einer dünnen Silberschicht überzogen. Auch Bezeichnungen wie Alpacca, Neusilber oder EPNS stehen nicht für echtes Silber.
Hinweise wie vergoldet, Doublé, Gold Plated, GP oder GF kennzeichnen hingegen unterschiedliche Formen der Vergoldung. Eine Punze ist daher ein wichtiger Hinweis, aber noch kein sicherer Beweis. Stempel können fehlen, schwer lesbar oder nachträglich angebracht worden sein. Besonders
antike oder im Ausland hergestellte Gegenstände tragen außerdem häufig andere Zeichen.
Säuretest und Röntgenfluoreszenzanalyse
Wenn sich das Material anhand der Punzen nicht sicher bestimmen lässt, stehen verschiedene Prüfverfahren zur Verfügung. Beim Säuretest, auch Strichprobe genannt, wird an einer unauffälligen Stelle eine hauchfeine Materialprobe genommen, die am Objekt in der Regel kaum sichtbar ist.
Diese minimale Spur wird auf einen Prüfstein übertragen und anschließend mit einer geeigneten Prüfs.ure behandelt. Anhand der Reaktion lässt sich das Metall und sein ungefährer Feingehalt bestimmen. Eine weitere Möglichkeit ist die Röntgenfluoreszenzanalyse, kurz RFA. Dieses Verfahren misst innerhalb kurzer Zeit, welche Metalle sich in der untersuchten Oberfläche befinden und in welchem Verhältnis sie vorliegen. Die Prüfung erfolgt ohne sichtbare Beschädigung des Gegenstands. Da zunächst nur die Oberfläche untersucht wird, muss das Ergebnis bei stark versilberten oder vergoldeten Objekten jedoch fachkundig eingeordnet werden.
Sie sind sich bei einem Stück nicht sicher?
Besitzen Sie Schmuck, Besteck, Münzen oder andere Gegenstände, bei denen es sich um Gold oder Silber handeln könnte? Dann senden Sie mir gerne einige aussagekräftige Fotos - insbesondere von vorhandenen Punzen oder
Stempelungen. Ich unterstütze Sie dabei, das Material und den möglichen Wert Ihres Stücks richtig einzuordnen und einen Verkauf unter Wert zu vermeiden.
