GEMÄLDE RICHTIG EINORDNEN
Schön gemalt - aber auch wertvoll? Worauf es bei Gemälden wirklich ankommt.
Ein schönes Motiv oder ein alt wirkender Rahmen reichen nicht aus, um den Wert eines Gemäldes zu bestimmen. Entscheidend ist vor allem, wer das Bild geschaffen hat und
ob es sich tatsächlich um ein eigenhändiges Werk dieses Künstlers handelt. Der Markt für ältere Gemälde ohne bekannte Urheberschaft steht heute unter erheblichem Preisdruck. Selbst dekorative Bilder erzielen häufig nur geringe Preise, wenn sie keinem gesuchten Künstler zugeordnet werden können. Deshalb lohnt es sich,
Signaturen, Kennzeichnungen und weitere Merkmale vor einem Verkauf genau zu betrachten.
Öl, Aquarell oder Gouache?
Bereits die Maltechnik liefert erste Hinweise auf die Beschaffenheit eines Bildes. Öl auf Leinwand: Ölfarbe kann glatt, aber auch in deutlich sichtbaren und fühlbaren Schichten aufgetragen sein. Häufig sind einzelne Pinselstriche oder erhabene Farbbereiche zu erkennen. Auf der Rückseite zeigt sich die gewebte Struktur der Leinwand, die meist über einen hölzernen Spannrahmen gezogen ist. Ölfarbe wurde allerdings auch auf Holz, Karton oder Metall verwendet.
Aquarell: Aquarellfarben sind wasserlöslich und durchscheinend. Das meist helle Papier bleibt
unter den Farben sichtbar und sorgt für die hellen Bereiche des Bildes. Aquarelle wirken deshalb häufig leicht und transparent. Sie werden wegen ihres empfindlichen Papieruntergrunds gewöhnlich hinter Glas gerahmt.
Gouache: Auch Gouache wird meist auf Papier oder Karton gemalt. Im Gegensatz zum Aquarell ist die Farbe jedoch deckend. Das Papier scheint kaum hindurch und die bemalten Flächen wirken kräftiger und meist matt. Die Techniken können miteinander kombiniert worden sein. Eine sichere Bestimmung ist daher nicht immer allein mit bloßem Auge möglich.
Ist es wirklich ein gemaltes Original?
Kunstdrucke und andere Reproduktionen können aus einiger Entfernung wie Gemälde wirken. Unter einer Lupe oder mit der vergrößerten Handykamera lässt sich bei vielen Drucken ein gleichmäßiges Raster aus kleinen Punkten erkennen. Unregelmäßige Pinselspuren und unterschiedlich starke Farbschichten sprechen dagegen eher für eine handgemalte Arbeit. Allerdings ist nicht jedes flache Bild automatisch ein Druck. Außerdem können Reproduktionen nachträglich mit Farbe überarbeitet worden sein.


Was verrät die Signatur?
Eine Signatur ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die Bestimmung eines Gemäldes. Sie befindet sich häufig in einer unteren Bildecke, kann aber auch innerhalb des Motivs oder auf der Rückseite angebracht sein. Schwer lesbare Zeichen lassen sich oft mit seitlich einfallendem Licht und der Handykamera besser erkennen. Eine Signatur allein beweist jedoch nicht die Urheberschaft. Auch Malweise, Material, Alter und Herkunft müssen zum vermuteten Künstler passen. Verschmutzte Signaturen sollten niemals eigenständig gereinigt werden, da die Oberfläche dabei beschädigt werden kann.
Was verraten Rückseite, Leinwand und Rahmen?
Aufkleber, Beschriftungen und Stempel auf der Rückseite können Hinweise auf Künstler, Alter und Herkunft geben und sollten nicht entfernt werden. Auch eine nachgedunkelte Leinwand, alte Nägel oder handwerkliche Holzverbindungen können für ein höheres Alter sprechen. Eine sichere Datierung ist damit jedoch nicht möglich. Besonders der Spann- und Bilderrahmen wurde häufig später erneuert; die ursprüngliche Leinwand kann zudem bei einer Restaurierung rückseitig verstärkt worden sein.
Was bestimmt den Wert?
Für den Wert eines Gemäldes sind vor allem der Künstler, die Echtheit, die nachvollziehbare Herkunft, die Qualität und der Erhaltungszustand entscheidend. Hinzu kommen Größe, Motiv und die aktuelle Nachfrage auf dem Kunstmarkt.
Kunstmarktdatenbanken dokumentieren aktuelle Auktions- und Verkaufspreise. Sie ermöglichen damit eine fundierte Einordnung vergleichbarer Werke des Künstlers.
Ich greife auf diese Daten zurück, um den Marktwert Ihrer Gemälde unter Berücksichtigung von Motiv, Größe, Technik und Qualität einzuschätzen. Ein hohes Alter und ein schönes Motiv allein garantieren keinen guten Verkaufspreis. Umgekehrt kann sich hinter einem unscheinbaren Bild ein interessantes Werk verbergen. Vor einer Reinigung, Restaurierung oder einem Verkauf empfiehlt sich deshalb eine fachkundige Einschätzung.
Sie möchten ein Gemälde einordnen lassen?
Besitzen Sie ein Gemälde, dessen Künstler, Alter oder Wert Ihnen nicht bekannt ist? Dann senden Sie mir gerne Fotos der Vorder- und Rückseite, der Signatur, vorhandener Aufkleber und Beschriftungen sowie des Rahmens. Ich unterstütze Sie dabei, die Hinweise richtig einzuordnen, aktuelle Vergleichspreise zu recherchieren und den passenden Verkaufsweg zu finden.